Wien · Universität Wien

Über mich

Ich bin Feldenkrais-Praktiker und Kognitionswissenschaftler — zwei Wege, die für mich schon lange zusammengehören.

Stefan M. Schneider, Feldenkrais-Praktiker in Wien, im Studio
Tätigkeit
Feldenkrais-Praxis und Bewegungsforschung
Institution
Universität Wien
Schwerpunkte
Embodiment · somatisches Lernen · mentale Vorstellung
ORCID
0000-0002-0724-8282

Wer ich bin

Ich beschäftige mich mit der Frage, wie Körper, Wahrnehmung und Bewusstsein zusammenhängen — praktisch als Feldenkrais- und Taichi-Lehrer, wissenschaftlich als Kognitionswissenschaftler an der Universität Wien. Meine Doktorarbeit widmet sich der Vorstellungskraft und wie sie im Körper verankert ist; parallel dazu begleite ich Menschen in der Praxis dabei, genau diese Verbindung wieder zu spüren — aktuell mit besonderem Fokus auf neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson.

Diese Doppelperspektive ist mir wichtig: Ich spreche nicht nur über Bewegung, ich stehe auch selbst jeden Tag mitten drin.

Meine eigene Bewegungsgeschichte

Meine Bewegungsgeschichte beginnt nicht mit einer Tanzausbildung, sondern mit einem Knie. Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr renkte es sich mehrmals im Jahr aus; mit 22 konnte ich vor Schmerzen kaum noch gehen. Eine Fehlstellung wurde operativ korrigiert, danach folgten über zwanzig Jahre Physiotherapie und Krafttraining — und die immer gleiche Erfahrung, dass manche Dinge sich einfach nicht verbesserten. Jeder Schritt tat ein bisschen weh, und die Spannung setzte sich über Hüfte und Wirbelsäule bis in den Nacken fort.

Dazu kam mit 19 ein schwerer Sturz aus großer Höhe. Die Brüche heilten gut, aber danach war ich steif und zutiefst verunsichert, was ich mir zutrauen durfte. Aus diesen Voraussetzungen habe ich mir Stück für Stück erschlossen, was möglich ist: Schwimmen, Taekwondo bis zum Wettkampfniveau, Segel- und Drachenfliegen, fünfzehn Jahre Taichi in einem System, das die innere Form sehr präzise kultiviert.

Gelöst hat sich der Schmerzpunkt im Knie erst mit 45 — durch eine Kombination aus Feldenkrais und gezieltem Training. Es zeigte sich, dass gerade das gut gemeinte Führen des Knies in der Schiene zu wenig Rotation zugelassen hatte. Seitdem freut mich jede Bewegung in diesem Bereich. Das ist der Grund, warum ich diese Arbeit mache: Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, bewegungsdetektivisch nach einem Weg zu suchen — und ihn zu finden.

Stationen eines langen Lernens

  1. seit 2020

    Universität Wien

    Zuletzt Co-Principal Investigator des FWF-Projekts „Creative Conversations with Materials“ zu Kreativität in künstlerischen Schaffensprozessen; zuvor Associate Researcher im FWF-Projekt zu zwischenleiblichen Synergiepraktiken (Akro-Yoga, Taichi Push Hands, Kontaktimprovisation).

  2. 2016–2022

    Internationale Projektleitung, Kairo

    Leitung dreier aufeinander aufbauender Kooperationsprojekte mit der Ain Shams Universität Kairo, inklusive Aufbau einer E-Learning-Plattform und Organisation von Studierendenaustauschen.

  3. 2012–2019

    Universität Osnabrück · Institut für Kognitionswissenschaft

    Lehre und Forschung in Phänomenologie, künstlicher Intelligenz und Kognitionswissenschaft — darunter die mehrteilige Seminarreihe „What makes you move?“, die dieser Seite ihren Namen gegeben hat.

  4. 2026

    Promotion

    Dissertation zu Imagination und mentaler Vorstellung — der Dynamik verkörperter Repräsentation. B.Sc. und M.Sc. Cognitive Science ebenda.

  5. laufend

    Feldenkrais und Taichi

    Zertifizierter Tai-Chi-Chuan-Lehrer. In der Feldenkrais-Ausbildung, aktuell mit Lehrlizenz für Awareness-Through-Movement-Stunden; die Ausbildung zur Funktionalen Integration befindet sich im Abschluss. Feldforschung zu somatischen Bewegungspraktiken: Feldenkrais, Gaga Dance, Taichi, Ideokinese.

  6. seit 2001

    Bildende Kunst

    Diplom und Meisterschüler, Kunstakademie Düsseldorf, bei Georg Herold und Jan Dibbets.

  7. Stationen

    Düsseldorf · Osnabrück · Paris · Birmingham · Kairo · Tel Aviv · Wien

    Aufgewachsen und gearbeitet unter anderem an diesen Orten, seit einigen Jahren in Wien zuhause.

Vollständige akademische Vita auf ORCID

Publikationen zu Bewegung, Wahrnehmung und Lernen

Meine Forschung untersucht, was in Wahrnehmung und Körper geschieht, wenn Bewegung über Sprache angeleitet wird — also genau das, was in jeder Feldenkrais-Stunde passiert.

  • 2026

    Schneider, S. M., & Kimmel, M.

    „Mind Your Own Business“: Taichi Synergies From Individual Coordination To Collective Physics

    Journal of Expertise

  • 2026

    Anderwald, R., Grond, L., & Schneider, S. M.

    Moving Bodies, Concepts, and Understanding

    The Journal of Somaesthetics

  • 2024

    Kimmel, M., Schneider, S. M., & Fisher, V. J.

    „Introjecting“ imagery: A process model of how minds and bodies are co-enacted

    Language Sciences, Band 102 · DOI ↗

  • 2022

    Schneider, S. M.

    Intercorporeal synergy practices — perspectives from expert interaction

    in: Collaborative Embodied Performance (Buchkapitel)

  • 2019

    Schneider, S. M.

    Bodily experience in somatic movement practices

    Dance & Somatic Practices, Coventry University

  • 2015

    Schneider, S. M.

    Vorstellen als räumlich-zeitliches Konstruieren

    in: Selbstbeobachtung — Oswald Wieners Denkpsychologie (Buchkapitel)

Vollständige Publikationsliste auf ORCID

Warum ich diesen Weg gehe

Der Titel dieser Seite hat eine eigene Geschichte: „What makes you move?“ war der Titel eines mehrteiligen Seminars, das ich an der Universität Osnabrück gegeben habe — über bewusste Antizipation, den bewegten Körper, Spüren und bewusste Übung.

Die Frage hat mich seither nicht losgelassen, nur dass ich sie heute nicht mehr nur im Seminarraum stelle, sondern in der Praxis: Was bewegt dich — im wörtlichen wie im übertragenen Sinn? Und wie finden wir das gemeinsam heraus, wenn Krankheit, Schmerz oder einfach die Routine des Alltags diese Verbindung verschüttet haben?

Deshalb heißt diese Seite nicht „Therapie“, sondern „Was dich bewegt“. Sie ist eine Frage, keine Behandlung.

Malerei und Zeichnung

Bevor ich Bewegung erforscht und unterrichtet habe, habe ich sie gezeichnet. Ich habe an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und arbeite bis heute mit Tusche und Papier. Zeichnen war meine erste Schule des Wahrnehmens. Feldenkrais ist die zweite — mit denselben Fragen, anderen Mitteln.

Meine Malerei speist sich aus der Empfindung von Raum, Bewegung, Geschwindigkeit und Körperlichkeit — und aus dem Material Tusche und Papier.

Eine Auswahl weiterer Arbeiten ist beim Österreichischen Ärztekunstverein zu sehen

Neuro9 — Feldenkrais online für Menschen mit Parkinson

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Ländern habe ich Neuro9 gegründet: eine Kooperative, die kurze, häufige Online-Stunden für Menschen mit Parkinson zugänglich macht.

Das Projekt ansehen